
DAS VERORDNETE GESCHLECHT
Ein Film
von Oliver Tolmein und Bertram Rotermund
Mit Michel Reiter und Elisabeth Müller
Kamera: Jörn Staeger
Musik: Schorsch Kamerun
Kameraassistenz: Marika Kavouras
Schnitt: Bertram Rotermund
Produktion: Rotermund Filmproduktion
Seestrasse 25
22607 Hamburg
040-39901717
Deutschland, 2001, 62 min, 35 mm
Film-Verleih: Bertram Rotermund/Oliver
Tolmein (Kontakt über: mailto:info@rotermundfilm.de)
Gefördert von: FilmFörderung Hamburg, Kuratorium Junger Deutscher Film,
Filmbüro Bremen, Landesmedienzentrale Bremen.
Gruppen und Kinos, die ihn zeigen wollen, können sich gerne an uns wenden (mailto:info@rotermundfilm.de). Außerdem
können Privatpersonen, DozentInnen und
Institutionen bei uns Videocassetten des
Films kaufen. Mehr dazu hier: Klick!.

Das verordnete Geschlecht
Für Ärzte ist Intersexualität eine
Krankheit, die sie behandeln wollen. Die
Betroffenen werden durch die Eingriffe aber nicht geheilt, sondern von
frühester Kindheit an traumatisiert. Denn Zwitter sind nicht und fühlen
sich nicht krank - sie fordern Anerkennung. Eines von 2000 Kindern
wird ohne eindeutige Geschlechtsmerkmale geboren. In den westlichen
Industriegesellschaften ist die Existenz von Zwittern aber ein Tabu: Dass es
nur zwei Geschlechter gibt, Männer und Frauen, ist eine der grundlegenden
gesellschaftlichen Normen, die nicht in Frage gestellt wird. Im Gegenteil:
Auch heute werden schwerwiegende und irreversible chirurgische Eingriffe an den
Genitalien von Kleinkindern vorgenommen, um sie einem der beiden Geschlechter
anzupassen.
In „Das verordnete Geschlecht“ geht es um die Geschichte von Zwittern - aber
auch um die weiterreichende gesellschaftliche Bedeutung, die es hat, dass
die Gesellschaft nur die Existenz von zwei Geschlechtern anerkennen will.
Michel Reiter, der zum Mädchen gemacht wurde, und Elisabeth Müller,
die genetisch, aber nicht hormonell, ein Mann ist, erzählen welchen Preis
sie dafür zahlen mussten, dass die Vorstellung der Gesellschaft von Normalität
erhalten bleiben. Weil ihre Eltern und die Ärzte nicht offen mit ihnen darüber
sprachen, dass sie Zwitter sind, lebten sie jahrelang mit dem traumatisierenden
Gefühl, irgendwas an ihnen sei schrecklich falsch. Wie andere Zwitter musste
Michel Reiter schwere chirurgische Eingriffe erdulden, um dem Geschlecht zu
entsprechen, das ihm verordnet worden war.
Heute leben Elisabeth Müller und Michel Reiter offen als Zwitter. Michel Reiter
hat ein Gerichtsverfahren angestrengt, um zu erreichen, dass auch amtlich
anerkannt wird, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt. Ihm kommt es dabei
nicht so sehr auf die Eintragung in seinen Pass ein. Wenn Zwitter als
Zwitter anerkannt werden, so hofft er, werden auch die verstümmelnden
geschlechtszuweisenden Operationen nicht mehr stattfinden dürfen.
Der Film kontrastiert diese beiden Geschichten mit den Erzählungen von
Juristen, Eltern und Ärzten, die meinen, dass es für intersexuelle Kinder
das beste sei, frühzeitig operiert zu werden, weil sie sonst als Außenseiter
aufwachsen würden. „Das verordnete Geschlecht“ ist ein Dokumentarfilm über
Geschlechter- und Körperpolitik. Er zeigt wie gewalttätig sich der Zwang
normal zu sein und die Logik des „Ist es nicht das Eine, muss es das Andere
sein“ auswirken kann. Der Film plädiert dafür, dass in der Gesellschaft
nicht
Normalität und das Denken in einfachen Alternativen die Leitlinie ist,
sondern Unterschiedlichkeit anerkannt und Gleichbehandlung sichergestellt wird